Andacht vom 28. Juni 2020

Das Spiel

Liebe Gemeinde, vielleicht haben wir wieder in den letzten Monaten das Spiel entdeckt. Am Tisch oder auf dem Balkon. Mit anderen zusammen, mit denen wir zusammenleben.

Als sich in Deutschland schon der Nationalsozialismus etabliert hatte und die Vorboten eines Krieges aufgestellt waren, schrieb 1938 Johan Huizinga über das Spiel folgendes – ein niederländischer Protest, denn der Nationalsozialismus war kein Spiel, sondern blutiger Ernst:

  • Definition des Spiels

«Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Raum und Zeit nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des ‘Andersseins’ als das ‘gewöhnliche Leben’.» Was spielen Sie gerne am Tisch oder auf dem Balkon? Nun auch wieder vermehrt draussen mit mehreren … Fussball und diese Lockerungsmassnahmen?

  • Spielerfahrungen

Ich möchte Spielerfahrungen aufzählen: Das Spiel zeichnet sich durch Freiwilligkeit aus. Wer nicht spielen mag, mag jetzt nicht freiwillig sein.

Das Spiel begrenzt uns. In der Begrenzung erfahren wir etwas Anregendes.

Das Spiel läuft gut unter Spielregeln. Wer die Spielregeln nicht einhält, gilt als Spielverderber.

Dem Spiel eignet Zweckfreiheit: ein spielerisches um seiner selbst willen. So ist es unnütz in einer leicht zu vernutzenden Welt.

Das Spiel ist spannend, weil es ergebnisoffen ist: irgendwelche Absprachen, wie es auch schon im Fussball geschehen ist, verträgt es nicht.

Zu spielen erfreut, wenn ich an die Pfingstweekends und Jugendwochenenden der letzten Jahre in unserer Kirchgemeinde denke: als vergässe ich mich, als vergässe ich meine Endlichkeit, als schlüge ich dem Tod ein Schnippchen, als wäre das des Himmels Vorspiel.

Es gäbe noch Weiteres, Sie können ergänzen …

  • Sandkastenspiel

Jedenfalls kann ein Spiel nicht nur entspannen, es vermag auch Konfliktsituationen durch Entspannung zu entschärfen. Jesus macht genau das mit seinem Sandkastenspiel (Joh 8,6f.).

Mit einem weisen Satz möchte er alle aus der Affäre ziehen: «Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein». Damit rettet Jesus einer Spielverderberin des Patriarchats das Leben und entschärft den Konflikt bei vielen: ein jesuanisches Gegenspiel entsteht. Amen      

(Dies war die letzte wöchentliche Andacht auf unserer Homepage in Zeiten von Corona.)            

Heinz-Ulrich Richwinn, Pfr.