Andacht vom 14. Juni 2020

Antwortendes Lachen und Weinen

Liebe Gemeinde, es ging in diesen Corona-Zeiten dem gut, dem das Lachen nicht vergangen ist und das Weinen möglich war. So habe ich gelacht, wenn es an der Zeit war. So habe ich geweint, wenn es an der Zeit war. «Zwar wird der Mensch mit Tränen und oftmals auch mit Lachen geboren, doch damit ist wohl zunächst und zumeist das Weinen und Lachen der Eltern gemeint.» (Peter Bubmann und Jörg Zirfas) Lachen und Weinen in einem kommunikativen Zusammenhang. Ich bedaure, dass ich jetzt schon zwei Taufen absagen und damit verschieben musste. Ich hoffe, wir werden bald einmal wieder Taufgemeinde.

  • Lachen als Antwort

Sind wir Menschen ein lachendes Tier, wenn einer sagt, er habe so tierisch gelacht?

Das Neugeborene schreit, sobald es auf die Welt kommt. Dann ist alles gut. Es äussert sich.

Es lächelt friedlich, empfindet Wohlbehagen, wenn es satt ist und dann eingeschlafen ist, doch es lacht oder weint im eigentlichen Sinne noch nicht, wenn auch das Erste Testament es so sieht: « … und Weinen war mein erster Laut wie bei allen» (Weish 7,3) Erst wenn sich die Vorstellungen von Vater und Mutter als Eltern entwickelt haben, lacht das Kind mit seinen Eltern, weil es sie anlacht. Erst, wenn es das Fremde als fremd erkannt hat, weint es.

Lachen und Weinen setzen somit ein Bewusstsein von sich und von anderen voraus. Ist uns das bewusst gewesen? Im Lachen antworte ich und im Weinen antworte ich ebenfalls. Worauf? Auf eine bestimmte Lage …, wie ich mich in dieser Lage vorfinde, wie mir da zumute ist. Ich reagiere leibhaftig, schüttle mich vor Lachen.

  • Weinen als Antwort

Im Prophetischen verbindet sich das Weinen oft mit der Klage, mit dem klagenden Gebet. Und existentieller Kummer wird in Ps 6,7 ausgeweint: «Ich bin so müde vom Seufzen; ich schwemme mein Bett die ganze Nacht und netze mit meinen Tränen mein Lager.»

Im Weinen (leibhaftig) aufgelöst.

  • Leibliches

Hier sind Begrenzungen und Entgrenzungen in einem gemeint und jene tuen gut, sie verbinden mich. Lachen und Weinen als Antworten in Leibhaftigkeit: ich verspüre mich.

Das hält mich; das hält mich aus: Ich lache. Ich weine.

Du unser Schöpfer,

schenke mir die Gabe des Lachens, schenke mir die Gabe der Tränen: sie klären mich.

Dafür danke ich Dir – in einer Zeit der Lockerungsmassnahmen. Amen

                                                                                                        Heinz-Ulrich Richwinn, Pfr.