Andacht vom 7. Juni 2020

Nähe und Ferne

Liebe Gemeinde,

  • Geburt und Sterben

Unser Leben beginnt mit einer Nähe: wir werden geboren. Unser Leben endet mit einer Ferne, mit einer Entfernung: ich sterbe.

Dazwischen jetzt unsere Tage, in denen wir zurzeit einen anderen kommunikativen Umgang einüben.

Einige bedienen sich asiatischer Formen: wir verbeugen uns mehr.

Andere fassen sich im Abschied voneinander an ihr Herz.

Wir werden erfinderisch, uns voreinander auszudrücken. Das ist schön.

  • Gott fern

In den letzten Wochen habe ich über Gott nachgedacht, eine meiner Aufgaben.

Die Bibel erzählt von dem Gott, der fern ist.

Für Hiob zu fern, so dass sich Gott den Menschen verrätselt. So scheint es ihm.

Wenn in unseren Tagen wieder Verschwörungstheorien, was den Virus anbelangt, die Runde machen, ist das ein Zeichen dafür, dass wir das, was uns rätselhaft erscheint, nicht aushalten können. Es muss in einem Erklärungszwang aufgelöst werden, so dumm oder so abwegig er auch sein mag: Hauptsache, es ist erklärt und damit die Spannung gebrochen.

Gott lässt sich jedenfalls nicht erklären.

«Eben weil Gott auch der Ferne ist, lässt er sich nicht vor die Kutschen unserer privaten, milieuspezifischen oder nationalen Kampagnen spannen.» (Florian Höhne) Nur, weil Gott fern ist, wirkt er auch als Gott für alle Menschen.

  • Gott nah

Gleichfalls, oft im selben Atemzug (eine Art, eben Spannung aushalten zu können), erzählt die Bibel vom nahen Gott – und wie er sich den Menschen nähert, annähert. Ich erinnere an den 139. Psalm: «Von hinten und von vorne hast du mich umschlossen, du hast deine Hand auf mich gelegt.» Wo wir jetzt so vorsichtig mit unseren Händen sein müssen – es geht hier um ein Aufgehobensein.

Gott,

Deine Hand leitet mich, sie segnet mich, dazu ist deine Hand auf mich gelegt.

Ich gehe in Deinem Segen. Amen  

                                                                     Heinz-Ulrich Richwinn, Pfr.